
Mitgliederversammlung der Lebenshilfe Worms-Alzey: Emotionaler Abschied und Neuwahl des Vorstands
Rund 50 Mitglieder kamen am Dienstagabend, den 28. April 2026, zur Mitgliederversammlung der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Orts- und Kreisvereinigung Worms-Alzey e. V. im Speisesaal in der Kurfürstenstraße zusammen. Die Versammlung war geprägt von bewegenden Momenten, wichtigen inhaltlichen Weichenstellungen und personellen Veränderungen an der Spitze des Vereins.
Im Mittelpunkt stand der Abschied der Vorsitzenden Sandra Wendel, die nach vier Jahren im Amt nicht erneut kandidierte. In einer sehr persönlichen und emotionalen Rede blickte sie auf ein intensives Jahr zurück: „Hinter uns liegt ein Jahr, das uns in vielerlei Hinsicht gefordert hat – ein Jahr voller intensiver Gespräche, wichtiger Entscheidungen, großem Engagement und einer tiefen Verbundenheit mit den Menschen, für die wir uns einsetzen.“
Wendel betonte die besondere Rolle der Lebenshilfe als Elternvereinigung und unterstrich die bewusste Entscheidung, den Vorsitz auch künftig ehrenamtlich zu führen. Verantwortung solle weiterhin aus Überzeugung und persönlichem Engagement heraus getragen werden. In ihren abschließenden Worten erklärte sie ihren Rückzug: „Meine Familie braucht mich jetzt wieder mehr. Und diesem Ruf möchte und muss ich folgen.“ Für das entgegengebrachte Vertrauen und die Unterstützung dankte sie den Mitgliedern herzlich. Dem Verein bleibt sie weiterhin verbunden und wurde später zur Beisitzerin gewählt.
Neben dem emotionalen Abschied berichtete der Vorstand über zentrale Entwicklungen. So wurde ein Wirtschaftsrat eingerichtet, um wirtschaftliche Entscheidungen künftig noch fundierter zu begleiten. Auch das Büro für Leichte Sprache und unterstützte Kommunikation wurde weiter ausgebaut und soll verstärkt externe Aufträge übernehmen. Zudem wurde die Selbstvertreter-Arbeitsgruppe gestärkt und stärker in die Vorstandsarbeit eingebunden – ein klares Zeichen für gelebte Teilhabe.
Auch überregionale Themen fanden Beachtung: Auf Bundesebene wurde über neue Begriffe für Menschen mit Beeinträchtigung diskutiert und ein Positionspapier zur Situation von Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf verabschiedet. Darin werden unter anderem lange Wartezeiten, fehlende Wohnangebote und Fachkräftemangel als zentrale Herausforderungen benannt. Zugleich wurde zur Unterstützung der Petition „Teilhabe ist Menschenrecht“ aufgerufen, die sich gegen Kürzungen in der Eingliederungshilfe richtet.
Ein starkes Zeichen gesellschaftlichen Engagements setzte der inklusive Benefizlauf der Laufgruppe Social Run, der mit Unterstützung regionaler Partner Spenden in Höhe von 11.250 Euro einbrachte. Auch Veranstaltungen wie der Vortrag „Anderssein ist eine Superkraft“ unterstrichen das Engagement für Inklusion und Teilhabe.
Die finanzielle Situation des Vereins wurde im Rahmen des Kassenberichts durch Steffen Kunze dargestellt. Insgesamt konnte eine stabile und positive Entwicklung festgestellt werden. Die Einnahmen überstiegen die Ausgaben, sodass ein Überschuss erzielt und das Vereinsvermögen weiter gestärkt werden konnte. Die Mittel wurden insbesondere für Verbandsbeiträge, Verwaltungsaufgaben sowie wichtige Projekte wie das Büro für Leichte Sprache eingesetzt. Rechnungsprüfer Herr Götz hat eine ordnungsgemäße Kassenführung bestätigt. Die Entlastung des Vorstands wurde empfohlen, die von der Versammlung einstimmig erteilt wurde.
Für besonders bewegende Momente sorgten die Ehrungen langjähriger Mitglieder. Für 60 Jahre Engagement wurden Karin Meinhardt und Horst Schurr ausgezeichnet. In einer eindrucksvollen Rede erinnerte Schurr an die Anfänge der Lebenshilfe in Worms – mit nur vier Menschen mit Behinderung und dem Ziel, ihnen eine Aufgabe und Perspektive im Leben zu geben. Als symbolisches Zeichen überreichte er ein historisches Schild mit der Aufschrift „Beschützende Werkstätte der Lebenshilfe e. V. Worms“.
Auch die Geschäftsführerinnen Myriam Bliewert und Anna Espenschied blickten auf das vergangene Jahr zurück und gaben einen Ausblick auf kommende Entwicklungen. Sie betonten die Bedeutung von Innovation und Digitalisierung, etwa durch den Einsatz eines Sozialroboters, der Mitarbeitende unterstützen soll. „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“, so die Geschäftsführung. Gleichzeitig machten sie deutlich: „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt und nicht die Dokumentation.“ Den Mitarbeitenden dankten sie ausdrücklich und bezeichneten sie als „Herz und Rückgrat der Lebenshilfe“.
Ein weiterer Dank galt der scheidenden Vorsitzenden Sandra Wendel für insgesamt zehn Jahre Vorstandsarbeit sowie Dr. Wolfgang Manstein, der nach 24 Jahren aus dem Vorstand ausschied.
Die anschließenden Wahlen leitete Wilfried Noll. Zur neuen ersten Vorsitzenden wurde Sandra Wilhelm einstimmig gewählt. Ebenfalls einstimmig gewählt wurden Thomas Metzler als zweiter Vorsitzender, Steffen Kunze als Schatzmeister sowie Brigitte Hartmann als Schriftführerin. Als Beisitzer gehören künftig Sandra Wendel, Erik Müller, Mario Hilk, Wolfgang Schall und Heini Werner dem Vorstand an. Auch die Rechnungsprüfer Herr Götz und Herr Sensen wurden einstimmig bestätigt.
Die Mitgliederversammlung zeigte eindrucksvoll die Verbindung aus Tradition, Engagement und Zukunftsorientierung. Mit einem neu aufgestellten Vorstand und klaren inhaltlichen Zielen sieht sich die Lebenshilfe Worms-Alzey gut gerüstet für die kommenden Aufgaben im Einsatz für Teilhabe, Inklusion und ein selbstbestimmtes Leben für Menschen mit Unterstützungsbedarf.